Alle Beiträge, Städte, Unterwegs
Schreibe einen Kommentar

Venedig im März

Wer im März nach Italien fliegt, hat zumindest die heimliche Hoffnung auf frühlingshafteres Wetter, als man es in Deutschland zu dieser Jahreszeit erwarten kann. So war zumindest meine naive Vorstellung, als ich mit einer Freundin zu einer zweiwöchigen Sprachreise im März 2010 nach Venedig aufgebrochen bin. Natürlich mussten meine Vorstellungen von mediterranen Temperaturen in Norditalien im Frühjahr enttäuscht werden. Stattdessen erwartete uns ein grauer Himmel, kühles Wetter, teils dichter Nebel und sogar Schnee in der Lagunenstadt. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) war dieser Venedig-Aufenthalt einer meiner schönsten.

Der graue Himmel bildet einen schönen Kontrast zu den bunten Häusern und Palazzi, was auch auf Fotos sehr gut rüberkommt. Der Nebel verleiht der Stadt etwas Geheimnisvolles, wie man es aus Venedig-Krimis à la Donna Leon kennt. Ein besonderes Erlebnis aber war tatsächlich der Schnee, der den romantischen Charakter der Stadt unterstreicht.

Venedig

Es gibt tatsächlich viele Möglichkeiten, Venedig zu erreichen: Mit dem Boot, via Bus oder mit dem eigenen Auto. Doch der meiner Meinung nach schönste Weg in die Stadt führt mit dem Zug über eine Trasse direkt durch die Lagune. Rechts und links umgeben von Wasser steuert man langsam auf Venedigs einzigen Bahnhof „Santa Lucia“ zu.

Vom Bahnhof aus gelangt man schnell in die Stadteile Dorsoduro und Santa Croce, die etwas abseits der Touristenströme liegen, welche  sich jeden Tag vor allem durch San Marco ziehen. Besonders empfehlen kann ich die Gegend um den Campo Santa Margherita. Hier gibt es leckere Pizza auf die Hand, Espressi (so viele man trinken kann) und in kleinen Bars rund um den Campo wird „Lo Spritz“ (Aperol Spritz) für 2-3 Euro ausgeschenkt. Getrunken und gegessen wird, auch schon im Frühling, im Freien auf dem Platz und auf den Stufen der Brücken. Hier in der Nähe der Universität und der Sprachschule sind viele Studenten unterwegs, weshalb die Preise moderat sind. Am Campo ist immer etwas los, meist bis spät in die Nacht.

Generell sollte man in Venedig seine Abende lieber in schönen Restaurants und auf der Piazza oder in einer Bar verbringen, denn das Nachtleben hat, was Clubs oder Discotheken betrifft, nicht wirklich etwas zu bieten. Es gibt (zumindest ist das meine bisherige Erfahrung) genau eine Disco, die in einer engen Seitengasse des Campo gelegen ist und den Besucher mit Glastanzdielen-Charme der 1960er-Jahre empfängt. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein – auch musiktechnisch.

Venedig_4

Um die Ecke des Campo Santa Margherita liegt das „Gemüseboot“, welches täglich frisches Obst und Gemüse direkt von der Ladefläche verkauft und einfach zum Stadtbild mit dazu gehört! Ebenfalls nicht weit von dort ist mein Lieblingsrestaurant gelegen, die Trattoria da Silvio (Calle S Pantalon 3748, Sestiere Dorsoduro, 30123 Venedig). Eigentlich schmeckt hier alles lecker, wobei ich besonders gerne die Tortellini à la panna e prosciuto oder die Pizza Capricosa bestelle. Im Sommer kann man lauschig auf der grünen Terrasse sitzen und einen romantischen Abend verbringen (im Winter ist es auch drinnen gemütlich). Der Service ist sehr nett, die Übersetzungen der Speisekarte in Englisch sind zuweilen etwas lustig.

Venedig_5

Das gute an einer Sprachreise ist, dass man immer eine recht preiswerte Unterkunft, oft bei Einheimischen vermittelt bekommt. Uns hatte man in einem Doppelzimmer bei einer netten alten Venezianischen Dame in direkter Nachbarschaft zum Campo untergebracht. Diese Variante der Übernachtung ist auf jeden Fall eine Alternative zu den zahlreichen Hotels der Stadt. Wer aber ein kleines gemütliches Hotel mit Frühstück in dieser Gegend sucht, ist im „Alloggi Al Gallo“ (Calle Del Forno 88 – Santa Croce, 30135 Venezia) gut aufgehoben.

Wenn man trotz malerischer Kulisse einmal Regen oder Schnee aus dem Weg gehen möchte, sind Museen natürlich immer eine Option. Mein Favorit ist die Peggy Guggenheim Collection. Sie beherbergt eine wirklich tolle und hochwertige Sammlung von Kunstwerken der Klassischen Moderne. Die Collection befindet sich in dem Palazzo Venier dei Leoni in den ehemaligen Wohnräumen Peggy Guggenheims direkt am Canal Grande (Palazzo Venier dei Leoni, Dorsoduro 701,30123 Venezia) und ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

Nicht verpassen sollte man den Mercato di Rialto in San Marco nur wenige Schritte von der Rialto Brücke entfernt oder gut mit dem Vaporetto (Wasserbus) zu erreichen. Seit 1907 findet er in der neugotischen Markthalle statt. Angeboten werden frisches Obst und Gemüse von der Gemüseinsel Sant Erasmo in der nördlichen Lagune von Venedig. Man verpasst die Marktstände leicht, wenn man die offene Halle noch nicht kennt

Venedig_3

Wir sind extra früh aufgestanden, um uns den Fischmarkt anzusehen, der tatsächlich beeindruckend ist und auch nicht (wie ich befürchtet hatte) nach Fisch riecht, was sicher für die Frische der angebotenen Ware spricht. Von Meeresfrüchten, unzähligen Fischsorten bis hin zu kleinen Haien, gibt es für Fischliebhaber wohl alles, was das Herz begehrt.

An der gleichen Stelle haben wir dann am Sonntag einen Antikmarkt vorgefunden, auf dem man allerlei Krimskrams erstehen kann: Nostalgisches Porzellan, alte Grammophone und Plattenspieler, Spitzendeckchen und „Papstsammelkarten“ – gekauft haben wir nichts, aber das Stöbern an sich macht schon spaß und die Stände geben vor der Kulisse Venedigs einfach  ein super Fotomotiv ab!

1116095_596401633745360_516299122_o

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert